Geld mit gutem Gewissen

Nachhaltigkeit liegt im Trend – und hat längst auch die Finanzbranche erreicht. Für viele Menschen gehört zu ihrem ganzheitlichen Lebensstil auch eine Bank, der sie mit gutem Gewissen ihr Geld anvertrauen können. Die nach eigenen Angaben erste ethisch-ökologische Universalbank der Welt, die GLS Bank, gründete sich 1974 in Bochum. Sie ist heute mit einer Bilanzsumme von rund 3,2 Milliarden Euro und einem Kundenkreditvolumen von rund 1,7 Milliarden Euro im vergangenen Jahr eine der größten nachhaltigen Banken auf dem deutschen Markt. Sie verspricht ihren Kunden Transparenz, Nachhaltigkeit und viel Mitbestimmung. Doch wie macht die Bank ihr Geld und wofür gibt sie es aus? Die Konzoom- Redaktion hat mal nachgeschaut.

Wie verdient die GLS Bank ihr Geld?

Jede Bank funktioniert nach dem gleichen Prinzip: Sparer geben der Bank ihr Geld, das die Bank gebündelt als Kredite an Unternehmen oder andere Privatkunden verleiht. Die Zinsen der Kredite sind höher als die Zinsen, die die Sparer für ihr Geld bekommen, das sie der Bank geliehen haben. So kann eine Bank Gewinne erzielen. Bei der GLS Bank können die Kunden selbst entscheiden, wie ihr Geld investiert werden soll. Sie veröffentlicht mehrmals im Jahr alle Angaben zu den Geschäftskrediten, die sie vergeben hat. Kleinstkredite an Unternehmen und Kredite an Privatpersonen werden dabei wegen des Datenschutzes nur anonymisiert und gebündelt aufgeführt.

Von April bis September 2013 gewährte die GLS Bank 423 Kredite an Unternehmen und Projekte in einem Gesamtvolumen von rund 213 Millionen Euro. Viele dieser Kreditnehmer kommen aus den städtischen Ballungsräumen Berlin, München, Hamburg und dem Ruhrgebiet. Wenige Geschäftskredite wurden dagegen in Ostdeutschland vergeben. In den eher ländlich geprägten Gebieten wurden vor allen Dingen Kredite von Unternehmen aus der Bio- und Energiebranche aufgenommen.

Dirk-Hinrich Otto aus Essen, der im dritten Quartal 2013 einen Kredit in Höhe von 40.000 Euro bei der GLS Bank aufnahm, ist also ein typischer Kreditnehmer der GLS Bank: Sein Unternehmen Wachswerk, das sich auf Wärmetherapie mit Bienenwachs spezialisiert hat, ist der Biobranche zugeordnet. Der aufgenommene Kredit ist relativ klein und seine Motivation, zur GLS Bank zu wechseln, hoch. “Mir war wichtig, mit wem ich zusammenarbeite. Eine so freundliche und menschliche Atmosphäre habe ich bisher bei einer Bank noch nie erlebt”, sagt Otto über seinen Wechsel zur GLS Bank. “Vor allen Dingen das große Vertrauen, das mir entgegengebracht wurde, schätze ich sehr, denn Geschäftsbeziehungen sollten immer auf gegenseitigem Vertrauen basieren.”

Wofür gibt die GLS Bank ihr Geld aus?

Steuern, Risikoabsicherung und Sachkosten – all das muss die GLS Bank von den erwirtschafteten Kreditzinsen bezahlen. Auch die Gehälter der Mitarbeiter der Bank können so gedeckt werden. Wieviel die Bank dafür jeweils ausgibt, ist transparent über die Internetseite der GLS Bank zu erfahren. So lässt sich ausrechnen, dass im Jahr 2012 bei 415 Mitarbeitern jeder Mitarbeiter inklusive sämtlicher Sozialleistungen rund 49.000 Euro brutto im Jahr verdiente. Auch wieviel die beiden Vorstände der Bank in dem Jahr verdienten, ist mit 215.000 Euro brutto jährlich angegeben.
Hauptsächlich muss eine Bank jedoch neben diesen Kosten ihren Kunden Zinsen auf das ihr anvertraute Geld bezahlen. Da die GLS Bank seit ihrer Gründung eine Genossenschaftsbank ist, gibt es drei große Gruppen, denen sie Zinsen zahlen muss: erstens die ganz normalen Bankkunden, die ihr Konto und Sparanlagen bei der Bank haben. So bekam man im vergangenen Jahr auf einen Sparbrief mit einer Laufzeit von sieben Jahren 1,3 Prozent Zinsen. Die zweite große Gruppe sind die Genossen, die Anteile an der Bank gekauft haben und somit einen Teil der Bank mitbesitzen. Ein Anteil an der GLS Bank kostet 100 Euro und ist, wie auch bei anderen Genossenschaftsbanken, nach fünf Jahren kündbar.
Die Genossen der GLS Bank, die Mitglieder genannt werden, haben sich bis ins Jahr 2012 selbst keine Rendite auf ihre Anteile gegeben. Dadurch wurde ihr Geld im Prinzip von der Inflation aufgefressen. Schließlich beschlossen die Mitglieder laut GLS Bank auf ihrer jährlichen Versammlung, sich ab dem Jahr 2013 eine Rendite von drei Prozent zu geben und jedes Jahr auf ihrer Versammlung neu über den Prozentsatz abzustimmen. “Unsere Bank wächst und wir vergeben immer mehr Kredite”, sagt Christof Lützel, Pressesprecher der GLS Bank. “Mit der Rendite für die Mitglieder wollen wir noch mehr Menschen dazu motivieren, Anteile der GLS Bank zu kaufen.” Hintergrund dafür ist, dass jeder Kredit, den die Bank gewährt, laut Bankengesetz zu einem gewissen Teil mit eigenem Geld der Bank abgesichert sein muss. Dieses sogenannte Eigenkapital der Bank darf aber nicht das Geld sein, das die Kunden der Bank zur Verfügung stellen, sondern muss sich zum Beispiel aus den Anteilen der Mitglieder an der Bank zusammensetzen. Seit dem Jahr 2013 gelten neue gesetzliche Bestimmungen, die eine noch höhrere Quote an Eigenkapital von Banken fordern. Daher muss die GLS Bank neue Genossen anwerben, um weiter wachsen zu können.
Es gibt aber noch einen anderen Weg, an Eigenkapital zu kommen. Stille Gesellschafter übergeben der Bank für einen vertraglich festgelegten Zeitraum größere Summen Geld, die der Bank als Eigenkapital zur Verfügung stehen. Dafür bekommen die Gesellschafter von der GLS Bank ihr Geld mit viereinhalb bis sechseinhalb Prozent verzinst.

 

Kritik an der GLS Bank

Kleine Sparer kriegen kaum Zinsen und verlieren so ihr Geld an die Inflation, während die sowieso schon reichen Stillen Gesellschafter fette Prozente einfahren – das ist die Kritik, die zum Teil im Internet an der GLS Bank zu lesen ist. “Wir mussten in den vergangenen zwei Jahren wegen der neuen gesetzlichen Vorgaben unsere Eigenkapitalquote verdreifachen. Darum brauchen wir als Bank Stille Beteiligungen, damit wir weiter Kredite vergeben können und wachsen”, rechtfertigt Pressesprecher Lützel das Vorgehen der GLS Bank. “Außerdem bemühen wir uns derzeit, die Stillen Beteiligungen in Genossenschaftsanteile umzuwandeln.” Eine zwangsweise Umwandlung der Stillen Gesellschafter in Genossen oder eine Absenkung des Dividendenzinssatzes auf drei Prozent sei nicht möglich. “Wir müssen uns schließlich an die bestehenden Verträge halten”, so Lützel. Er wisse nicht, wieviele Stille Gesellschafter es derzeit noch in der GLS Bank gebe. “Aber die Zahl ist nicht relevant – und langfristig werden alle Stillen Beteiligungen in Genossenschaften umgewandelt werden.”
Im Jahr 2012 besaßen laut dem Geschäftbericht der GLS Bank die Genossen der Bank 62 Prozent des Eigenkapitals (rund 93,5 Millionen Euro). Die restlichen 38 Prozent stellten die Stillen Gesellschafter mit 58,4 Millionen Euro, für die sie in diesem Jahr 3,2 Millionen Zinsen erhielten. Tatsächlich lässt sich das Auslaufen der Stillen Gesellschafter im Geschäftsmodell der GLS Bank auch in dem Geschäftbericht nachweisen: So wandelten sich im Jahr 2012 nämlich 25,3 Millionen Euro Stille Beteiligungen in Genossenschaftanteile um und es wurden nur 1,6 Millionen Euro neue Stille Beteiligungen aufgenommen.

Fazit

Die GLS Bank ist tatsächlich weitesgehend transparent: Wo, wie und in was die Bank ihr Geld investiert, ist genau nachvollziehbar. Alle durch Kredite geförderten Unternehmen und Projekte stehen für Nachhaltigkeit und ethisch-ökologische Grundsätze. Die Kunden der GLS Bank können sich also sicher sein, dass die Zinsen, die sie auf ihr Geld bekommen, nicht auf Kosten der Umwelt oder anderer Menschen erwirtschaftet wurden. Auch wie die Bank ihr Geld ausgibt, lässt sich genau nachvollziehen. Aber selbst die GLS Bank ist eine Bank wie jede andere, die den gleichen Gesetzen unterliegt. Sie will wachsen, braucht dafür Eigenkapital und muss deshalb Investoren mit hohen Prozenten locken. Wer diese Investoren sind, also die Genossen der Bank und die Stillen Gesellschafter, ist unklar. Sie bleiben anonym. Dass diese allerdings höhere Prozente auf ihr der Bank gegebenes Geld bekommen als der normale Kunde, hat auch einen guten Grund: Sie gehen – anders als die Sparer – das Risiko ein, dass ihr Geld weg ist, falls die GLS Bank pleite geht. Können zum Beispiel die kleinen Unternehmen der Biobranche, die sich Geld von der GLS Bank geliehen haben, ihre Kredite nicht bezahlen, muss die Bank diesen Verlust durch ihr Eigenkapital ausgleichen. Genossen und Stille Gesellschafter, die das Eigenkapital stiften, können dann ihr Geld verlieren. Geht die Bank wirklich pleite, bekommen die Sparer als Erste ihr Geld. Genossen und Stille Gesellschafter dagegen müssen sich dann hinten anstellen.